Schlimmer als am Sonntagnachmittag in den Herrieden in Heidingsfeld kann eine Saison wohl nicht enden! Kurz vor Spielende erzielte der vor der Partie nur einen Punkt hinter den Rottendorfern liegende Tabellenzweite aus Heidingsfeld mit einem unhaltbaren Distanzschuss das 1:0 und sicherte so den Gastgebern die Meisterschaft in der Kreisliga Würzburg und den damit verbundenen Aufstieg in die Bezirksoberliga Unterfranken.

Das Unglück hatte jedoch schon am vergangenen Samstag in Marktbreit seinen Lauf genommen, als man zum Auswärtsspiel bei der abstiegsgefährdeten FG Marktbreit/Martinsheim antrat. War es die Müdigkeit im vierten Match in zehn Tagen, waren die Gedanken schon bei den geplanten Feierlichkeiten oder beim vermeintlichen Saisonfinale in Heidingsfeld? Es ist müßig im Nachhinein darüber zu spekulieren, Fakt ist jedoch, dass man selten in dieser Runde eine so unkonzentrierte und phlegmatische Leistung der Eiring-Truppe gesehen hat.

Dabei hatte alles planmäßig begonnen. Schon in der 5. Minute legten die Gastgeber mit einem katastrophalen Querpass mustergültig für Robin Busch auf und dieser hatte keine Mühe den Ball ins leere Tor zu schieben. Doch auch diese frühe Führung brachte keine Ruhe und Ordnung in das Spiel des Tabellenführers. Die spielerisch unterlegenen Marktbreiter schlugen die Bälle einfach weit nach vorne und hofften auf Rottendorfer Fehler. Kein Problem! In der 25. Minute stimmte die Abstimmung bei einem eigentlich harmlosen Freistoß nicht und die Gastgeber nahmen dieses Geschenk gerne an und glichen aus. Mit dem Halbzeitpfiff gingen sie sogar 2:1 in Front. Trainer Jens Eiring konnte nur den Kopf schütteln. Wie war so eine Leistung nach den teilweise hervorragenden Partien der letzten Wochen möglich?

Mit ganz anderer Körpersprache kamen die Rottendorfer aber aus der Kabine. Früh wurde der Gegner unter Druck gesetzt und schon in der 50. Minute, wiederum durch Robin, der Ausgleich erzielt. Symptomatisch für dieses Match war jedoch, dass man nur zehn Minuten später nach einem Querschläger in der Verteidigung den erneuten Rückstand hinnehmen musste. Doch keine fünf Minuten waren vergangen, als der für die Big Points in den letzten Wochen zuständige Marcel Stühler nach einem Freistoß wieder den Gleichstand herstellte, welcher erst aber nach minutenlangen Diskussionen feststand, da der Ball durch das vom Schiedsrichter nicht kontrollierte Netz hinter das Tor gelangt war und dieser somit auf Abstoß entschieden hatte. So war es vor allem dem Verhandlungsgeschick von Coach Eiring zu verdanken, dass dieser Treffer letztlich zählte. Als man in der 73. Minute durch einen durchaus haltbaren Freistoß zum dritten Mal ins Hintertreffen geriet war das Entsetzen groß. Man warf nun alles nach vorne und, wie es dann oft kommt, hatte man zwar noch einige Chancen, lief jedoch noch in zwei Konter der Marktbreiter und hatte das Spiel mit 3:6 verloren. Mehr Gegentore in einem Spiel als in der gesamten Rückrunde! Als dann auch noch die Kunde vom Punktverlust der Heidingsfelder sich verbreitete war der Frust umso größer. Mit einer Leistung wie in den Wochen zuvor hätten die Jungs vom TSV schon an diesem Tag die Meisterschaft feiern können. So kam es, wie es viele Betrachter eigentlich schon seit langem erwartet hatten: die letzte Partie der Saison in Heidingsfeld würde die Meisterschaft entscheiden!

Zahlreiche Zuschauer(ca. 150!) hatten sich bei besten äußeren Bedingungen eingefunden, um sich dieses Finale anzusehen, darunter auch wieder sehr viele Fans aus Rottendorf (vielen Dank für eure tolle Unterstützung). Das Spiel war von Anfang an ausgeglichen, die Gäste aus Rottendorfer ließen des Öfteren ihre spielerische Klasse aufblitzen, während die körperlich sehr starken Gastgeber es häufig mit langen Bällen auf ihre pfeilschnellen Außenstürmer versuchten. So blieben Großchancen

eigentlich Mangelware, nur ein Freistoß der Heidingsfelder sorgte für einen Aufschrei ihrer Fans. Keeper Kai Brehm konnte den Ball jedoch an die Latte lenken. Die Rottendorfer kombinierten sich zwar einige Male gefährlich in den Strafraum, so richtig brenzlig wurde es aber nur bei einem Kopfball von Moritz Schubert, der tückisch aufsetzte, vom aufmerksamen Keeper der Gastgeber aber über die Latte gelenkt wurde.

Auch die zweite Hälfte bot ein ähnliches Bild. Beide Mannschaften gingen kein Risiko, wobei den Rottendorfern allerdings ein Remis genügt hätte. Wie aus dem Nichts bot sich aber dann in der 70. Minute Robin Busch die Chance des Spiels, als ein Heidingsfelder Verteidiger den Ball vertändelte und Robin alleine auf den Torhüter dribbelte und diesen ausspielen wollte. Dieser reagierte aber großartig und nahm dem Rottendorfer Topstürmer die Kugel vom Fuß. Bei unseren Spielern begannen jetzt langsam die Kräfte zu schwinden, da sie nicht wie die Gastgeber alle 20 Minuten zwei Akteure auswechseln und diese gleichwertig ersetzen konnten. Hierbei machte sich der kurzfristige Ausfall von Jonas Mahler besonders bemerkbar. Schon in der 66. Minute musste Thomas Melber mit Wadenkrämpfen ausgewechselt werden und nur kurze Zeit später macht bei Ludwig Schmidt der Oberschenkel zu. Coach Eiring musste deshalb ständig umstellen, keine gute Ausgangssituation für den erwarteten Heidingsfelder Sturmlauf. Dieser wurde dann kurz vor Schluss mit der Einwechslung ihres Sturmtanks Omar Cisse (man stelle sich Jens Wildberg vor!) eingeläutet. Dieser blieb zwar relativ blass, wurde aber in der 89. Minute zum Held des Spiels. Aus einer unübersichtlichen Situation am Strafraum konnten die Rottendorfer den Ball nur kurz abwehren und Cisse ließ mit einem platzierten Schuss ins linke Toreck Keeper Brehm keine Chance. In den verbleibenden Minuten warfen die Gäste zwar noch einmal alles nach vorne, eine zwingende Gelegenheit gab es aber nicht mehr. So mussten die maßlos enttäuschten Rottendorfer zusehen, -zumindest die, die nicht völlig entkräftet am Boden lagen-, wie der SV Heidingsfeld eine wohl nicht mehr erwartete Meisterschaft feiern konnte, zu der der TSV Rottendorf allerdings herzlich gratuliert, zeigten sich die Würzburger Vorstädter doch als sehr faire Gastgeber.

So entschied vielleicht am Ende der Saison die Kraft den Kampf um den Titel, wobei die Frage gestattet sein muss, was sich der Verband denkt, bei 24 Spielen (Rundenbeginn Anfang September!) die letzten 5 Partien innerhalb von 12 (!) Tagen austragen zu lassen. Trotz dieser bitteren Niederlage war es, auch wenn es für Coach Eiring und seine Jungs kein Trost sein mag, eine herausragende Runde mit teilweise begeisterndem Kombinationsfussball!

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