Es hatte sich bereits in den letzten Wochen abgezeichnet und nun ist es offiziell: Die Saison 19/21 wurde endgültig abgebrochen und der TSV auf Grund der Quotientenregel als Meister bestimmt. Somit geht für die Rottendorfer eine in vielerlei Hinsicht historische Spielzeit nach fast zwei Jahren mit dem krönenden Abschluss und dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte zu Ende.

Der erste Abschnitt der Runde, im zweiten Halbjahr 2019, war zunächst noch mit einem ganz gewöhnlichen Spielbetrieb möglich und niemand ahnte zu dieser Zeit, dass wenig später eine Pandemie das ganze Leben und somit auch den Amateursport massiv beeinträchtigen würde. In dieser Phase legte der TSV bereits den Grundstein für den historischen Erfolg. In 18 gewerteten Partien erkämpfte sich das Team beeindruckende 38 Zähler und ging als Tabellenführer in die Winterpause. Verfolger DJK Hain lag mit 35 Punkten direkt dahinter, hatte mit zwei Nachholspielen jedoch alle Trümpfe in der Hand.

Auch die Vorbereitung Anfang des Jahres 2020 verlief noch ganz nach Plan. Zu diesem Zeitpunkt stieß Ex-Coach Manuel Gröschl als Verstärkung zum Trainerteam, nachdem der Wechsel von Co-Trainer Julian Bohlender zum SC Schwarzach bevorstand.

Im Februar 2020 bahnte sich dann allmählich der Beginn der Corona-Krise an und die ersten Fälle in Deutschland wurden bekannt. Innerhalb weniger Wochen nahm die Pandemie Fahrt auf und es zeichneten sich zunehmend Einschränkungen in allen Lebensbereichen ab. Nachdem die DJK Hain ihr erstes Nachholspiel Anfang März gewinnen konnte und somit nach Punkten mit dem TSV gleichzog, wurde der Spielbetrieb wenige Tage später und somit noch vor dem ersten Pflichtspiel der Rottendorfer eingestellt. Anschließend rückte der Sport in den Hintergrund und der erste Lockdown prägte die folgenden Wochen. Während sich viele Verbände der anderen Bundesländer frühzeitig für einen Abbruch der Spielzeit auf Amateurebene entschieden, ging der BFV einen anderen Weg. Nach Befragung der Vereine, wurde eine Fortsetzung der Saison im Spätsommer 2020 und im Frühjahr 2021 festgelegt, ergänzt durch einen Pokalmodus, der weitere Möglichkeiten für Aufstiege und Klassenerhalte bieten und Leerlauf vermeiden sollte. Diese Entscheidung fiel im Sinne des TSV, der für eine Weiterführung plädierte und davon profitierte, dass zu diesem Zeitpunkt keine Quotientenregel den vorzeitigen Meister kürte. Denn mit 2,24 Punkten pro Spiel hatte die DJK Hain in diesem Moment die Nase vorne (TSV: 2,11 Punkte pro Spiel).

Im Laufe des Sommers entspannte sich die Corona-Lage zur Erleichterung aller und die Rottendorfer konnten Ende Juli mit der erneuten Vorbereitung beginnen, in der fortan auch einige ehemalige Jugendspieler den Kader verstärkten. Nach überzeugenden Testspielen begann die Fortsetzung der Saison schließlich Mitte September mit dem Gastspiel in Aschaffenburg, beim Tabellenvorletzten 1.FC Südring. Der personell veränderte Gegner präsentierte sich dabei alles andere als ein Abstiegskandidat und lag nach 51 Minuten verdient mit 2:0 in Front. Mit großer Moral und unter anderem durch den Doppelpack des eingewechselten Daniel Ritter drehte der TSV die Partie aber noch und wendete somit den Fehlstart ab.

Eine Woche später zeigte die Lang-Elf am Grasholz von Beginn an eine starke Leistung und ließ beim 6:1 Kantersieg gegen das ebenfalls abstiegsbedrohte Retzbach nichts anbrennen. Parallel musste Konkurrent Hain eine knappe Niederlage gegen TuS Leider (0:1) hinnehmen, die sich später als entscheidend herausstellen sollte, denn nun wendete sich auch nach Quotientenregel das Blatt zu Gunsten der Rottendorfer (2,20 zu 2,15).

Es folgte ein hart erkämpfter, aber ebenso verdienter 2:0 Erfolg gegen Wasserlos, ehe die darauffolgende Begegnung beim TSV Lohr wegen eines Pokalspiel des Gegners verschoben werden musste.

Es war inzwischen Mitte Oktober und die Pandemie-Situation spitzte sich allmählich wieder zu. Die Zahlen stiegen kontinuierlich an und die zweite Welle beeinträchtige das Land bereits. Das Heimspiel gegen den stets unangenehmen TSV Keilberg und somit das letzte Saisonspiel vor dem Start des Pokalmodus konnte der Tabellenführer aber noch absolvieren. In dieser engen Partie bewiesen die Hausherren erneut große Moral und Kampfgeist, so dass durch ein 2:0 der vierte Sieg in Folge eingefahren und die Spitzenposition verteidigt werden konnte.

Wenig überraschend wurden anschließend die geplanten Pokalspiele abgesagt und der Spiel- und Trainingsbetrieb im Rahmen das zweiten Lockdowns erneut eingestellt. Mit beeindruckenden 50 Zählern und der besten Punktequote (2,27) überwinterte der TSV somit ein weiteres Mal auf Platz 1, erneut unmittelbar vor der DJK Hain (44 Punkte, Quote 2,20). Der Sport spielte in den folgenden Monaten wieder eine untergeordnete Rolle und die Corona-Lage entspannte sich dieses Mal nur sehr schleppend, so dass die massiven Einschränkungen bis weit in das neue Jahr anhielten. Der Abbruch des Pokalsmodus war die logische Konsequenz und auch die erneute Wiederaufnahme der Saison wurde zunehmend unwahrscheinlicher. Folglich zeichnete sich bereits im April ein endgültiger Abbruch der Saison 19/21 ab, den der BFV schließlich Mitte Mai, zusammen mit der Quotientenregel für Auf- und Abstiege, offiziell verkündete.

Sechs Saisonspiele der Rottendorfer und acht Partien der DJK Hain konnten dementsprechend nicht mehr durchgeführt werden und es ist mühselig darüber zu spekulieren, wie die Runde unter normalen Umständen verlaufen wäre. Der Kampf um die Meisterschaft entwickelte sich zu einem Duell auf Augenhöhe, was sich auch in den beiden direkten Begegnungen äußerte. Während der TSV das packende Hinspiel am Grasholz kurz vor dem Ende für sich entscheiden konnte (3:2), dominierte die DJK das Rückspiel und führte vier Minuten vor dem Ende mit 5:1, ehe die Lang-Elf in einem furiosen Schlussspurt auf 5:4 verkürzte und sich somit zumindest den direkten Vergleich sicherte. Letztendlich profitierte der TSV von der kurzfristigen Fortsetzung im Herbst 2020 und sicherte sich die Tabellenführung verdientermaßen durch einen beeindruckenden Lauf und der vollen Ausbeute in diesen vier Spielen. Gerne hätte die Mannschaft die Spielzeit sportlich zu Ende gebracht und sich den historischen Titel auf normalem Wege gesichert. Doch auch der mittlerweile unvermeidbare Saisonabbruch in diesem späten Stadium und die damit verbundene Meisterschaft nach Quotientenregel, sorgen für ein ebenso gerechtes Ergebnis, das sich die Truppe voll und ganz verdient hat und die Leistung keineswegs schmälert.

Mit 50 Zählern und 60 Saisontoren hat der TSV seine beste Punkte- und Torausbeute der vergangenen sechs Spielzeiten erzielt - und das bei nur 22 absolvierten Partien! Mit 12 Treffern und 18 Vorlagen war Moritz Schubert dabei an jedem zweiten TSV-Tor direkt beteiligt und sticht ebenso wie sein Bruder und Toptorschütze Nico (15 Tore, 7 Vorlagen), als auch Jannik Fischer (10 Tore, 7 Vorlagen) in der Offensive hervor. Aber auch der Rest der Mannschaft, eine perfekte Mischung aus jungen Wilden und erfahrenen Routiniers, sowie das Trainerteam um Martin Lang, Manuel Gröschl und zuvor Julian Bohlender haben ebenso maßgeblichen Anteil an diesem historischen Erfolg.

Selbstverständlich schwingt in dieser Zeit auch ein bisschen Wehmut mit, denn jeder Fußballer wünscht sich eine Entscheidung auf dem Rasen und nicht am grünen Tisch und ebenso hätten alle Beteiligten diesen historischen Moment gerne mit den Zuschauern und Freunden des TSV gebührend gefeiert. Aber auch dieser Umstand gehört zur außergewöhnlichen und denkwürdigen Saison 19/21 und sollte weder die Freude, noch den Stolz über das Erreichte trüben.

Einmal mehr waren der starke Zusammenhalt und der Teamgeist ausschlaggebend für die erfolgreiche Saison und auch die Jugendarbeit der Rottendorfer in den vergangenen Jahrzehnten darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Die überwiegende Mehrheit des Erfolgskaders besteht nach wie vor aus einheimischen Kickern, die in der TSV-Jugend groß geworden und ihrem Verein treu geblieben sind. Mit dieser Philosophie, die in der Region ihresgleichen sucht, stieg der TSV schon vor 11 Jahren in die Bezirksliga auf und wuchs dort zu einer echten Größe in Unterfrankens Fußball heran. Nach zehn Spielzeiten auf dieser Ebene, in denen das Team überwiegend in der oberen Tabellenhälfte abschnitt, bereits zwei Mal als Herbstmeister grüßte (2011 und 2012), aber auch zwischenzeitlich mit einem Bein in der Kreisliga stand (Klassenerhalt durch Relegation 2017), steht dem Verein nun ein weiteres, historisches Kapitel bevor. In der Landesliga-Nordwest trifft der TSV in der kommenden Spielzeit unter anderem auf bereits bekannte Gegner aus dem Raum Aschaffenburg und Schweinfurt, wie Röllbach, Schwebenried oder Euerbach, und freut sich zudem auf packende Derbys gegen Lengfeld, Höchberg, Kleinrinderfeld und Unterpleichfeld. Zudem misst sich das Team erstmals mit Mannschaften aus anderen Regierungsbezirken, wie dem SV Memmelsdorf, dem FC Coburg oder dem FC Lichtenfels.

Die Fußballer bedanken sich an dieser Stelle für die Unterstützung in den vergangen Jahren und freuen sich auf ein baldiges und gesundes Wiedersehen am Grasholz, zum gemeinsamen "Abenteuer Landesliga" unter hoffentlich normalen Bedingungen!

 Fabian Heß

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