Samstagnachmittag. 16.30 Uhr. Dreizehn fußballbegeisterte, nach hohen Niederlagen nicht zu Depressionen neigende Herren gesetzten Alters treffen sich hinter dem „Poseidon“ zur Fahrt zum Auswärtsspiel in Bütthard. Eine überraschend hohe Zahl, hatten sich doch bis Donnerstagabend nur 6 Kicker auf der Groupidoo Seite gemeldet, was unserem Bernie, falls biologisch und technisch möglich, wieder einige Haare gekostet hätte. Noch überraschender war allerdings die Anwesenheit des ganz entspannt auf einem Mäuerchen sitzenden Hoss, der zur Spielvorbereitung noch einen Energie-Glimmstengel genoß und sich sichtlich auf einen für ihn seltenen Einsatz freute. Dieser Neuzugang sollte kurze Zeit später noch eine wichtige Rolle spielen …

Das Spiel jedoch begann, wie in den letzten Wochen, wie ein schlechter Traum. Man hatte sich gerade so auf dem Spielfeld positionstechnisch eingerichtet, als es schon zum ersten Mal einschlug. Der pfeilschnelle Rechtsaußen der Gastgeber, der nach Spielende zugab erst 28 zu sein und den wahrscheinlich das ganze Wochenende das schlechte Gewissen plagte, dass er ältere Menschen noch älter hatte aussehen lassen, zog an einigen unserer Abwehrrecken nach innen vorbei, steckte den Ball perfekt durch die Schnittstelle und Bütthards Stürmer hatte keine Probleme ins lange Eck zu verwandeln. Nur Minuten später brannte es wieder einmal lichterloh im Strafraum und diesmal probierte man durch ein gekonntes, elegantes Dribbling entlang der 5m-Linie den Ball aus der Gefahrenzone zu entfernen. Unglücklicherweise hatte der Büttharder Spieler nicht so viel Verständnis für derartige Kabinettstückchen, hielt energisch seinen Fuß dazwischen und versenkte so den Ball im Rottendorfer Tor. Betretenes Schweigen …. Drohte wieder eine Beerdigung erster Klasse? Nein! Man bekam zunehmend Kontrolle über das Spiel, der Ball lief über viele Stationen sicher nach vorne, nur im Abschluss blieb man ungefährlich, da die meisten Steilpässe zu ungenau waren oder ein Opfer des Gegenwindes wurden. Umso unglücklicher war es dann, dass man vor der Pause noch das 0:3 hinnehmen musste.

Nun ergriff unser Hoss die Initiative. Dieser hatte schon vor dem Match angemahnt, dass einige Spieler wieder einmal eine Auffrischung ihres Taktikscheins benötigten, den diese wahrscheinlich in der 70er Jahren erworben hatten und auch dementsprechend spielten.

Er forderte ein früheres und schnelleres Aufrücken - der Begriff „Pressing“ wäre bei uns wohl ein bisschen übertrieben , da dieses wohl auf dem Platz eher einem sanften Druck entspricht und erst nach dem Spiel so richtig zum Einsatz kommt - und ging in der 2. HZ mit gutem Beispiel voran, indem er sich immer wieder aus der Abwehrzentrale löste und so unser Mittelfeld mit Bernie und Harry Dürr hervorragend unterstützte. Dass dies mit einer großen Laufleistung verbunden war erübrigt sich zu erwähnen, rief aber allgemeines Erstaunen in unseren Reihen hervor. Einige Spieler erwägen deshalb den Trainingsbetrieb einzustellen das Rauchen anzufangen und statt Energy-Drinks und A-Schorle komplett auf Hefe umzustellen!

Diese taktische Umstellung trug schon nach kurzer Zeit Früchte. Früh wurde der Ball erobert und, mit dem Wind nun im Rücken, mehrere schöne Chancen herausgespielt. Bernhard war es als erstem vergönnt dieses Übergewicht (keine Anspielung!!!) in Zählbares umzumünzen, als er kurz nach der Halbzeit den Anschlusstreffer erzielte. Ein Eigentor der Gastgeber kurz darauf stellte den Anschluss her und als Alex gar den Ausgleich schoss träumte mancher schon von einem Sieg. Leider ließen wir aber in der Schlussphase zu viele, teils klare, Möglichkeiten aus und hatten auch bei einigen Kontern des SV Bütthard Glück, dass diese ausgelassen wurden, bzw. eine sichere Beute des fehlerfreien Jens Wildberg wurden, der sich immer mehr zu einem würdigen Vertreter unseres Michael Leikam entwickelt.

Resümierend muss man sagen, dass das Remis absolut in Ordnung geht und dass viele taktisch einiges dazugelernt haben. Für den nicht mehr so jungen Schreiber dieser Zeilen war es auch eine völlig neue Erkenntnis, dass man eine Zigarettenschachtel in einem Fußballschuh lagert.

Zum Seitenanfang
JSN Boot template designed by JoomlaShine.com
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok