Restliche drei Teams stark ersatzgeschwächt beenden mit Niederlagen die Runde 5.

Im, mit großer Spannung, erwarteten Lokalderby von TSV Rottendorf I gegen den Traditionsverein SC 05 Kitzingen I kam es nach 5 Stunden hartem Kampf zum überraschend hohen 5,5-2,5 Sieg, der durchaus historische Dimension hat.

Bisher gewann man in Turnierpartien nie gegen Kitzingen05 I und verlor vor zwei Jahren noch mit einer 1-7 Klatsche sehr klar.
Dabei klärte diese Begegnung neben dem Lokalderby, wer im Meisterschaftsrennen um den Landesligaaufstieg nun die besseren Karten in der Hand halten wird.

Das ist mit 20% Wahrscheinlichkeit völlig unerwartet, laut dem Ligaorakel, der TSV Rottendorf.

Schachspiel Rottendorf gegen Kitzingen in Kitzingen

Hinten: Alexander Kühn; Vorne rechts: Andrey Bobrov
Foto: Günter Schmitt

Am Saisonstart blickten wir noch im Angesicht der starken Regionalliga-Teams, bei möglichen drei Absteigern etwas sorgenvoll nach hinten und liegen nun unverhofft nach dieser harten Nervenprobe nur noch einen halben Brettpunkt hinter dem Tabellenführer Bad Neustadt I.

Es besteht also so langsam „Aufstiegsgefahr“ für Bayerns zweithöchste Liga, wobei die Verjüngung mit Jana Bardorz und Daniel Ullrich wohl genau zur richtigen Zeit kam, nach dem bedauerlichen Weggang von Heiko Richter nach Lohr.

Beide Teams mussten in der Startaufstellung auf einen Stammspieler verzichten. Bei den Kitzingern fehlte der Routinier Georg Kwossek (DWZ 1975) an Brett sechs, der mehr als gleichwertig an Brett 8 mit Schachgranate Michael Hanft (DWZ 1998) ersetzt werden konnte. Bei den Rottendorfer fehlte unser sehr erfolgreiches drittes Brett Tom Haasner (DWZ 1954) der dann durch Christoph Bardorz (DWZ 1740) mit deutlich aufsteigender Tendenz ersetzt wurde.

Die Kitzinger starteten mit DWZ Schnitt 2012 erwartet stark, bei den Rottendorfern standen 1959 DWZ Punkte auf der Starttafel, womit der Kitzinger Vorteil sich sogar verstärkt hatte.

In den neuen hellen Räumen des Kitzinger Schachklubs ging es dann auf Punktejagd, und es entwickelte sich eine sehr erstaunliche Eigendynamik.

Abteilungsleiter Alexander Kühn (DWZ 1853) legte nach bereits einer Stunde an Brett sieben mit weiß gegen Leo Eckert (DWZ 1845) gewaltig los. Eckert, bisher starke 2,5/3, hatte frech einen schwarzen Springer im weißen Lager postiert, der allerdings zu wenig Unterstützung hatte. Dann fraß er einen vergifteten Turm und schwupps ein zweizügiges Matt in seiner ungesicherten Königsstellung 1 – 0.
Furioser Führungstreffer, der uns zeigte, dass mehr drin ist!
Alexander Kühn nun mit 4 aus 5 mit einer DWZ Performance von 2029 Punkten weiter sehr stark unterwegs!

Matthias Königer (DWZ 2045) hatte es mit Altstar Karlheinz Kannenberg (DWZ 2087) zu tun, der auch bereits bei Seniorenweltmeisterschaften seine Visitenkarte abgab. Routiniert behielt Königer alle Gewinnversuche im Griff und man einigte sich auf Remis. 1,5 – 0,5.

An Brett 4 hatte es unser Jungtalent Daniel Ullrich (DWZ 1805) mit den schwarzen Steinen mit Istok Ferlan (DWZ 2113), Inhaber endloser Schacherfolge mit Bundesligaerfahrung zu tun. Eigentlich eine unlösbare Aufgabe!

Ferlan griff auch mit den weißen Steinen in seinem Standardsystem routiniert an. Ullrich verwickelte die Stellung in taktische Manöver und operierte mit einigen Nadelstichen. Ferlan brachte seine PS immer weniger auf die Felder in der verflachenden Position und auf ein gut getimtes Remis-Angebot Ullrichs erfolgte zur Überraschung aller die Annahme!! 2,0 – 1,0.
Istok Ferlan zu egalisieren, in jungen Jahren, ist der Ritterschlag für Daniel! Mit 2,5/5 eine deutlich ansteigende DWZ Leistung von 1980!

Am Spitzenbrett hatte IM Dr. Ostermeyer (DWZ 2295) im Vierspringerspiel deutliches Druckspiel gegen Alparslan Yalcin (DWZ 2161) aufgebaut. In unnachahmlicher Manier wurde der Druck immer weiter von Peter ausgebaut, bis der Kitzinger Jungstar die Segel streichen musste! 3,0 – 1,0.
IM Dr Peter Ostermeyer mit 4/5 und einer DWZ Leistung von sensationellen 2377 Punkten in hohem Alter weiter unglaublich stark!

Günter Schmitt (DWZ 1945) hatte es mit den schwarzen Steinen an Brett 6 mit Markus Sendner (DWZ 1841), der mit ungeschlagenen 2,5/4 seinen Formanstieg fortsetzt. Im Mittelspiel der Reti-Eröffnung setzte Sendner auf einen Bauernvorstoß am Damenflügel. Ein taktischer Springerangriff auf c3 wurde von Sendner wohl unterschätzt und stellte dann hastig seinen Turm in eine Springergabel. Als er den Turm los lies bemerkte er wohl sein Versehen und zuckte regelwidrig zurück, worauf Schmitt sofort hinwies.

Die Mehrqualität wurde dann zwar noch zu harter Arbeit, da das Läuferpaar des Kitzingers verzweifelt versuchte, die Stellung zusammen zu halten und den a-Bauern durchzuschieben. Das nutzte dann Schmitt zum sehenswerten Mattangriff auf den weißen König. 4,0 – 1,0.
Schmitt ungeschlagen mit 3/5 und DWZ Leistung von 1986 Punkten.

Christoph Bardorz (DWZ 1740) hatte in der Eröffnung bereits einen Bauern gegen den übermächtigen Michael Hanft (DWZ 1998) eingebüßt, worauf dann auch im Mittelspiel ein weiterer Bauer verloren ging. Klarer Sieg der Kitzinger! 4,0 – 2,0.

Unser Jungstar Jana Bardorz (DWZ 1996) hatte es mit weiß an Brett 5 gegen den Kitzinger Mannschaftsführer und jahrzehntelangem Stammspieler Matthias Basel (DWZ 1989) und dessen „modernen Verteidigung mit 1.g6“ zu tun.

Jana rochierte lang, Basel kurz und so kam es zu heftigen Angriffen auf entgegengesetzten Flügeln, wobei Jana sehr exakt die gegnerischen Gegenchancen berechnete und weiter massiven Druck am Königsflügel aufbaute, mit dem Turm in der offenen g-Linie. Eine sehr reife Partieanlage, die Jana immer weiter verschärfte und schließlich mit mehreren Figuren zum Sieg schritt.
Wieder eine tolle Leistung Janas mit dem sichergestellten Gesamtsieg: 5,0 – 2,0.

Andrey Bobrov (DWZ 1993) hatte mit den weißen Steinen den harten FIDE-Meister Konstantin Kunz (DWZ 2062) zu bespielen und es kam in der harten Auseinandersetzung in der Sizilianischen Eröffnung nach über 4 Stunden zu einem Turmendspiel das Bobrov mit einem Mehrbauern zum Sieg durchdrücken wollte. Kunz verteidigte sich aber mit sehr aktiver Turmaufstellung, womit der Bauernvorteil letztlich nicht zum Sieg gebracht werden konnte. 5,5 – 2,5.
Andrey nun mit 2,5 Punkten aus 5 Partien und 2033 DWZ-Performance weiter verbessert.
Die ersten vier Bretter somit mit 2,5 aus vier gegen den 2105er Schnitt der Kitzinger und 3 aus 4 an den hinteren vier Brettern gegen 1918er Schnitt der Gastgeber sind ein Glanzergebnis, das wir nicht zu hoffen wagten.

Damit bleibt Rottendorf im Führungstrio und einem halben Brettpunkt Rückstand gegen Bad Neustadt und Bamberg II, die noch gegeneinander antreten müssen. Sind wir da der lachende Dritte? Die Vorentscheidung fällt wohl in Runde acht in den Begegnungen Rottendorf I gegen Würzburg I und Bad Neustadt/Saale I gegen Bamberg II.

Sicher stellt sich die Frage, nach dem bisherigen Saisonverlauf, wie stark wir eigentlich sind, und diese lässt sich einfach beantworten. Bei den aktuellen Ergebnissen der Stammspieler haben wir eine Turnierwertungszahl von unfassbaren 2067 Turnierwertungspunkten im Durchschnitt. Das wäre jedenfalls aufstiegsreif!
Aber es sind noch 4 Runden zu spielen. Also weiter Konzentration auf den nächsten Gegner!
Die nächste Runde ist in drei Wochen gegen Spvgg Stetten die nach dem Weggang von Jana Schneider und den nicht durchspielenden Alexander Wurm (2095) und Florian Amtmann (2100) wohl derzeit gehandicapt sind und mit 4-6 Punkten noch hart gegen eine Abstiegsgefahr anspielen müssen. Bei Brett 2 Jonas Feldheim (DWZ 2094) läuft es in dieser Saison mit 0,5/5 deutlich schlechter als im Vorjahr!

Jedenfalls ist die Mannschaft mit vielen Studenten brandgefährlich in Bestbesetzung, allerdings vielleicht auch gehandicapt wegen Prüfungsbelastung der jungen Spieler.

Bericht: Günter Schmitt
Redaktion: Alexander Kühn

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